Internal versus external complexity

The internal complexity of an organisation has to match the external complexity it faces. It is a common management belief. Not so, say the Dornbrachts, owners of the German luxury faucet producer. Instead they advocate simplifying complexity to make it more manageable. No expensive computer equipement, no analysts to crunch huge amounts of data. A model to be copied by other companies?

Eine vielgehörte Komplexitätsweisheit ist der auf Ashby zurückgehende Grundsatz, dass die Binnenkomplexität einer Organisation die Komplexität der Umwelt widerspiegeln muss. Werden die Kunden internationaler, muss z.B. auch Siemens internationaler werden. Diesem Grundsatz stellt sich der Iserlohner Armaturenhersteller Dornbracht entgegen. In einem kurzen Artikel berichtet die heutige FTD über den Komplexitätsbewältigungsansatz der beiden Inhaber: “Ach was, sagte Matthias Dornbracht. Ach was, sagte auch Andreas Dornbracht, der zwei Jahre ältere Bruder. Komplexität lässt sich nicht durch noch mehr Komplexität in den Griff kriegen. Im Gegenteil: “Man muss die Komplexität abbauen, bei den Strukturen abspecken.” Und genau das haben die Brüder dann gemacht.”

http://www.ftd.de/karriere-management/management/:fraktale-fabrik-weniger-bringt-s-mehr/70059631.html

Komplexitätsforschung hat keinen großen Einfluss auf die Iserlohner gehabt: “Dornbracht kennt den wissenschaftlichen Hintergrund, aber allzu sehr möchte er nicht darauf eingehen. Theorie interessiert ihn wenig, er ist ein Mann der Praxis.” Hier bestätigt sich wieder, was dem Team “Leading in Complexity” auch aufgefallen ist: Die Komplexitätsforschung ist sehr weit und sehr gut, aber sie kann die praktische Relevanz ihrer Erkenntnisse nicht immer herausstellen. Ein Einwand mag sicherlich sein, dass Dornbracht vielleicht Weltmarktführer bei Luxus-Armaturen sei, dass es sich aber trotzdem um eine eher unterkomplexe Firma handelt und sie daher auf ein übliches Komplexitätsmanagement (mit umfassenden Software-Lösungen zur Bewältigung komplexer Datenströme) verzichten kann. Dennoch stellt Dornbracht den Kern deutscher Wertschöpfung dar, den soliden Mittelständler, der mit Spitzenqualität international erfolgreich ist. Die Dornbracht-Brüder lassen sich nicht durch scheinbare Komplexitätsexperten nervös machen und gehen das Thema mit simplen, aber erprobten Management-Methoden an. Das kann ein Vorbildwirkung haben.

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Increasing complexity?

The Google Ngram Viewer is a tool to visualize the frequency of words  in the literature. We use it here as an indicator for the amount of discussion on the topic of complexity. Results are slightly different in English compared to the graphs in German shown below. As the German term Komplexität, the English term complex appears to be a popular adoption similar to difficult. It has been used increasingly since the 50s but the trend has reversed in the 00s. On the other hand, the more analytical terms complexity and emergence have only seen a slight increase. See Ngram Viewer.

Komplexität ist überall. Das Modewort mit K taucht in immer mehr Büchern, Artikeln, Reden und Gesprächen auf, so scheint es zumindest. Ähnlich den Schlagwörtern Globalisierung und Nachhaltigkeit kam die Komplexität scheinbar aus dem Nichts. Aber ist dies wirklich so? Dank der eifrigen Bücherscanner aus Mountain View, CA, können wir auf die Inhalte von vielen Millionen Büchern der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte zurückgreifen. Google ermöglicht es uns, alle eingescannten Bücher auf die Häufigkeit bestimmter Begriffe zu durchkämmen. Was wir sehen, ist eindeutig:

Der Begriff „Komplexität“ taucht immer häufiger auf, die Zunahme ist noch viel stärker als beim Adjektiv „komplex“. Begonnen hat der lexikalische Aufstieg der Komplexität Mitte der 60er Jahre, vermutlich im Zusammenhang mit dem systemischen Denken. Interessanterweise erreichte die Worthäufigkeiten aber Ende der siebziger Jahre ein Plateau, auf dem es bis weit in die neunziger Jahre hin verharrte. Woran liegt dies? Wir wissen es noch nicht. Mitte der neunziger Jahre fängt dann ein erneuter Zuwachs an, steil nach oben und bis heute anhaltend.

Die Gruppe „Leading in Complexity“ wollte aber mehr wissen. Vielleicht handelt es sich ja bei den häufigen Nennungen von Komplexität nur um eine alltagssprachliche Neuprägung. Vielleicht wird aus „viel Stress“ „hohe Komplexität“.  D.h., es geht nicht um das tatsächliche Phänomen der Komplexität. Dies kann man testen, in dem man sich einen Teilaspekt wissenschaftlichen Definition von Komplexität heraussucht, das Phänomen der Emergenz. Hierbei handelt es sich um den Kern von Komplexität und den Grund dafür, dass uns Komplexität so viele Kopfschmerzen bereitet. Emergenz ist der Name für den Vorgang, bei dem aus dem dynamischen Zusammenspiel vieler Einzelelemente etwas Neues entsteht, was man nicht aufgrund der Merkmale der Einzelelemente vorhersagen könnte. Emergenz ist also z.B. ein funktionierender Ameisenstaat, wobei dieser Staat nicht aufgrund der intellektuellen Fähigkeiten der Ameisen prognostizierbar wäre.

Schauen wir also noch einmal in die Google-Bücher, diesmal unter dem Stichwort Emergenz:

Wir sehen, dass es dort nur eine minimale Veränderung gegeben hat, Emergenz bewegt sich nahezu unter der Wahrnehmungsschwelle. Die starke Zunahme des Wortes Komplexität hängt also nicht so sehr mit dem Phänomen Komplexität zusammen, sondern vielleicht eher damit, dass sich mit „steigender Komplexität“ viele andere Beobachtungen und Phänomene auf einfache Art und Weise beschreiben lassen können.

Zusätzliche Quelle: Jean-Baptiste Michel, Yuan Kui Shen, Aviva Presser Aiden, Adrian Veres, Matthew K. Gray, The Google Books Team, Joseph P. Pickett, Dale Hoiberg, Dan Clancy, Peter Norvig, Jon Orwant, Steven Pinker, Martin A. Nowak, and Erez Lieberman Aiden*. Quantitative analysis of culture using millions of digitized books. Science. Published Online Ahead of Print: 12/16/2010. full PDF