Increasing complexity?

The Google Ngram Viewer is a tool to visualize the frequency of words  in the literature. We use it here as an indicator for the amount of discussion on the topic of complexity. Results are slightly different in English compared to the graphs in German shown below. As the German term Komplexität, the English term complex appears to be a popular adoption similar to difficult. It has been used increasingly since the 50s but the trend has reversed in the 00s. On the other hand, the more analytical terms complexity and emergence have only seen a slight increase. See Ngram Viewer.

Komplexität ist überall. Das Modewort mit K taucht in immer mehr Büchern, Artikeln, Reden und Gesprächen auf, so scheint es zumindest. Ähnlich den Schlagwörtern Globalisierung und Nachhaltigkeit kam die Komplexität scheinbar aus dem Nichts. Aber ist dies wirklich so? Dank der eifrigen Bücherscanner aus Mountain View, CA, können wir auf die Inhalte von vielen Millionen Büchern der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte zurückgreifen. Google ermöglicht es uns, alle eingescannten Bücher auf die Häufigkeit bestimmter Begriffe zu durchkämmen. Was wir sehen, ist eindeutig:

Der Begriff „Komplexität“ taucht immer häufiger auf, die Zunahme ist noch viel stärker als beim Adjektiv „komplex“. Begonnen hat der lexikalische Aufstieg der Komplexität Mitte der 60er Jahre, vermutlich im Zusammenhang mit dem systemischen Denken. Interessanterweise erreichte die Worthäufigkeiten aber Ende der siebziger Jahre ein Plateau, auf dem es bis weit in die neunziger Jahre hin verharrte. Woran liegt dies? Wir wissen es noch nicht. Mitte der neunziger Jahre fängt dann ein erneuter Zuwachs an, steil nach oben und bis heute anhaltend.

Die Gruppe „Leading in Complexity“ wollte aber mehr wissen. Vielleicht handelt es sich ja bei den häufigen Nennungen von Komplexität nur um eine alltagssprachliche Neuprägung. Vielleicht wird aus „viel Stress“ „hohe Komplexität“.  D.h., es geht nicht um das tatsächliche Phänomen der Komplexität. Dies kann man testen, in dem man sich einen Teilaspekt wissenschaftlichen Definition von Komplexität heraussucht, das Phänomen der Emergenz. Hierbei handelt es sich um den Kern von Komplexität und den Grund dafür, dass uns Komplexität so viele Kopfschmerzen bereitet. Emergenz ist der Name für den Vorgang, bei dem aus dem dynamischen Zusammenspiel vieler Einzelelemente etwas Neues entsteht, was man nicht aufgrund der Merkmale der Einzelelemente vorhersagen könnte. Emergenz ist also z.B. ein funktionierender Ameisenstaat, wobei dieser Staat nicht aufgrund der intellektuellen Fähigkeiten der Ameisen prognostizierbar wäre.

Schauen wir also noch einmal in die Google-Bücher, diesmal unter dem Stichwort Emergenz:

Wir sehen, dass es dort nur eine minimale Veränderung gegeben hat, Emergenz bewegt sich nahezu unter der Wahrnehmungsschwelle. Die starke Zunahme des Wortes Komplexität hängt also nicht so sehr mit dem Phänomen Komplexität zusammen, sondern vielleicht eher damit, dass sich mit „steigender Komplexität“ viele andere Beobachtungen und Phänomene auf einfache Art und Weise beschreiben lassen können.

Zusätzliche Quelle: Jean-Baptiste Michel, Yuan Kui Shen, Aviva Presser Aiden, Adrian Veres, Matthew K. Gray, The Google Books Team, Joseph P. Pickett, Dale Hoiberg, Dan Clancy, Peter Norvig, Jon Orwant, Steven Pinker, Martin A. Nowak, and Erez Lieberman Aiden*. Quantitative analysis of culture using millions of digitized books. Science. Published Online Ahead of Print: 12/16/2010. full PDF